Über den insektenfreundlichen Dachgarten

Über die Jahre seit 2012 musste ich beobachten, dass immer weniger Insekten den Weg in meinen Dachgarten fanden – obwohl ich mir immer Mühe gegeben habe, den Insekten durchgehend von Februar bis November einen reichen Tisch aus ungefüllt blühenden Pflanzen zu decken.

Planskizze Dachgarten 2017.
Planskizze Dachgarten 2017.

In diesem Jahr, 2017, habe ich meinen Ansatz geändert: Anstatt „nur“ für Blühpflanzen im Sommer zu sorgen, versuche ich nun, den Tieren ganzjährig Unterschlupf zu gewähren.  Maßnahmen dazu sind neben den klassischen mit Holzwolle ausgestopften umgedrehten Blumentöpfen für Ohrwürmer auch selbstgebaute Insektenhotels (ich weigere mich, für Schrott Geld auszugeben), ein bescheidener Reisighaufen und ein kleines 20cm hohes und 90cm x 90cm grosses Sandbeet.

Der Reisighaufen auf der Nordseite des Dachgartens.
Der Reisighaufen auf der Nordseite des Dachgartens.

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen erweitere ich mein Angebot der Blühpflanzen für die fertigen Insekten auch um Pflanzen, die zur Eiablage und für Raupen und Nymphen relevant sind. Dafür habe ich auf der Südseite meiner Dachterasse vier Pflanzkästen als extremen Magerstandort (Sand-Kies-Beet) angelegt und darin Pflanzen ausgesät, die Wildbienen, Schmetterlingen und Hautflüglern aller Arten von der Wiege bis zur Bahre Nahrung und Unterschlupf bieten sollen.

Die Sand- und Kiesbeete auf der Südseite der Dachterasse.
Die Sand- und Kiesbeete auf der Südseite der Dachterasse.

Den grundsätzlichen Gedanken zum Umbau meines Dachgartens hatte ich schon gefasst, als eine Freundin mir das Buch „Der Drei-Zonen-Garten“ von Markus Gastl auslieh. Markus Gastl ist vor allem für seine zwei Gärten, den Insektengarten „Hortus Insectorum“ und den Ertragsgarten „Hortus Felix“ bekannt – der Hortus Insektorum gehört zu den 20 schönsten Gärten Bayerns. Ich empfehle jedem, sich diesen Garten einmal anzuschauen. Er ist das ganze Jahr über interessant, aber für echte Neulinge sind Juni und Juli wahrscheinlich die besten Besuchszeiten.

Mini-Steingarten auf der Garage.
Mini-Steingarten auf der Garage.

Markus Gastls Überlegungen zum Anlegen eines auf die Bedürfnisse der „kleinen“ Tiere – Insekten, Spinnen, Eidechsen, Vögel … ausgerichteten Gartens habe ich für die konkreten Veränderungen meines Dachgartens zu einem Insektenparadies als Leitfaden herangezogen. Vieles, das er an Vorschlägen für einen „normalen“ Garten auf Erdbodenniveau anbringt, kann ich (leider) in meinem Dachgarten nicht umsetzen – ein oder zwei Steinpyramiden von einem oder eineinhalb Meter Höhe würden die Tragkraft des Dachs überfordern. Auch ein längerer, 50cm hoher Sandhaufen für Bienen und Eidechsen ist nicht umsetzbar. Ein vollständiger Verzicht auf zugekaufte Düngemittel ist für die eingetopften Pflanzen unrealistisch – wo sollen in den (relativ) kleinen Kübeln denn die Nährstoffe herkommen? -, und ich habe auf meinen 30 Quadratmetern nicht genug Fläche, um alle Kreisläufe der Natur zu schließen.

Insektenhotel aus alten Balken und einem aus dem Leim gegangenen Holzbrett.
Insektenhotel aus alten Balken und einem aus dem Leim gegangenen Holzbrett.

Zwar verfüge ich im Garten meiner Vermieter, unten auf Erdbodenniveau über zwei Hochbeete, in denen ich meine Grünabfälle kompostiere, aber der entstehende Kompost ist schneller von den darauf wachsenden Nutzpflanzen verbraucht, als ich ihn wieder aufs Dach schleifen kann.

Mit diesen Einschränkungen bemühe ich mich trotzdem, aus meiner luftig gelegenen Terasse eine Oase für Tiere und Pflanzen zu gestalten. Ohne Gifte, und mit wenigen lenkenden Eingriffen jenseits von Aussat und dem „Abmähen“ verblühter Wildkräuter in den Magerkisten.